Sprache ohne Worte

Als ich vor einiger Zeit den Film „Pina“, gedreht von Wim Wenders, anschaute, dachte ich erneut über das Thema „Sprache“ nach. „Pina“ ist hauptsächlich ein Tanzfilm, Ausdruckstanz. Am Anfang fand ich die 3D-Aufnahmen künstlich und befremdend. Mit der Zeit zog es mich jedoch immer mehr hinein. Und – und darüber denke ich nach – besonders hinterher hat das, was ich gesehen habe, eine subtile und große Wirkung auf mich ausgeübt. Und zwar eine, die sich der gesprochenen Sprache weitgehend entzieht.

Was sich da entfaltete, hat mit gelebtem Leben zu tun, kann ich vielleicht sagen. Pina Bausch, die große Künstlerin, die vor nicht langer Zeit starb und für die dieser Film gemacht ist, sagt in dem Film ungefähr so: „Unsere Arbeit ist jenseits der Worte. Es geht darum, etwas ahnen zu lassen.“ Und: „Meine wichtigste Frage ist immer wieder: Was steht hinter Deiner Sehnsucht?“ Worte können das nur in Metaphern fassen und vielleicht auch damit, wie sie gesagt werden, der Ton, der Klang, die Geste, mit der sie gesagt werden …  Weiter




“Man muss den Dingen…”

 Man muss den Dingen die eigene, stille, ungestörte
Entwicklung lassen, die tief von innen kommen
muss und durch nichts gedrängt oder beschleunigt
werden kann; alles ist Austragen und Gebären.

Reifen wie ein Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst, dass dahinter kein Sommer kommen
könnte.

Man muss Geduld haben gegen das Ungelöste im
Herzen und versuchen, die Fragen selber lieb zu
haben.

Wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die einer fremden Sprache geschrieben
sind.                                                                                                                                                                

Es handelt sich darum,
alles zu leben.

Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.

Rainer Maria Rilke




Buchtip: “Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben”

Ein empfehlenswertes Buch des finnischen Psychotherapeuten Ben Furmann verbirgt sich hinter diesem eigenwilligen Titel. Ben Furmann beschreibt Menschen, die ihm in seiner Praxis begegnet sind und die enorm Schweres in ihrer Kindheit erlebt haben, das sie in diesem Buch zum Teil beschreiben. Die gemeinsame therapeutische Arbeit lässt entdecken, wie diese Menschen überleben konnten, wie ihnen Kräfte zuwuchsen, wo sie Unterstützung fanden oder auch suchten, womit sie sich in kindlicher Kreativität trösteten und schützten. Es sind Geschichten des Wachstums und der Selbstverantwortung trotz aller Verletzung. Dies gerät aber nie zum Zynismus oder zur Schuldzuweisung an die, denen Überleben und Leben nicht gelingt. Es bleibt bei manchen Geschichten fast ein dankbares Staunen: "Ich habe es überlebt – ich lebe."




“Gott weiblich” – eine Ausstellung

"Gott weiblich" heißt eine Ausstellung, die seit Mai in Bamberg vom Erzbischöflichen Ordinariat gezeigt wird. Unter diesem Titel werden weibliche Gottesbilder aus mehreren Jahrtausenden ausgestellt und ein Bogen bis in die Neuzeit geschlagen. Gottesbilder geben einer Gesellschaft einen symbolischen Hintergrund. Sie haben deshalb auch da Bedeutung, wo einzelne Menschen nicht gläubig sind. Es geht um die Bilder dessen, was einem oder einer am wertvollsten ist. Gut, wenn dies Bilder sind, bei denen Frauen sich nicht immer nur "mitgemeint" fühlen müssen, gut auch, wenn Männer nicht immer für "das Ganze" stehen sollen.

Die Ausstellung läuft noch bis Oktober und wird im Diözesanmuseum des Erzbistums Bamberg gezeigt.

Informationen sind zu finden unter
http://www.gott-weiblich-bamberg.de/index.html




Der Körper und die Sprache 3: Sinn und Sinnlichkeit

 

Auf den ersten Blick haben "Sinn" und "Sinnlichkeit" nichts miteinander zu tun. "Sinn": die Sphäre des Nachdenkens, Wissens,  Philosophierens. "Sinnlichkeit": die Welt der Gefühle, Empfindung, vielleicht auch Erotik. Beiden Worten liegen unsere Sinne zugrunde, also das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, das Empfinden der Berührung auf der Haut und die Wahrnehmung dessen, was im eigenen Körper vorgeht.

"Sinnlich sein" bedeutet, die Eindrücke der eigenen Sinne bewußt wahrzunehmen und zu würdigen, vielleicht auch zu genießen: Der Schwall von Waldluft am Stadtrand, wenn man aus dem Bus steigt oder der Geruch von vollen Mülleimern, die offen stehen. Die Dunkelheit, die durch eine schwere Wolke in ein Zimmer fällt oder das intensive Grün junger Blätter am Strassenrand. Wind, der über die Haut streicht und Herzklopfen oder – kalte Füße.

Was hat das mit "Sinn" zu tun? Die Sinne geben dem Wort "Sinn" wirklich seine Grundlage: Sinn stellt sich ein, wo man in Berührung ist mit dem, was jetzt geschieht, in mir und um mich herum. Wo ich in Verbindung trete mit lebendigem Leben und mich als ein Teil dessen begreife. Wo ich mich mitnehmen lasse von dem, was mich innerlich und äußerlich bewegt. Das Wahrnehmen mit allen Sinnen, das zugleich immer schon Gefühl und Gedanke wird, läßt Verbindung halten zur Vielfalt der Wirklichkeit und ihrer Bewegtheit und Bewegung. Deswegen liegt in Sinnlichkeit so viel Sinn verborgen. Und kann in bewußter Sinnlichkeit viel Empfinden von Sinn entstehen.

Und nun noch eine Wahrnehmungsübung:

Sie sitzen auf einem Stuhl, mit dem Rücken möglichst nah an der Lehne.  Einen Fuß rücken Sie ein wenig vor, den anderen ein wenig  nach hinten, so dass Sie noch bequemer aufrecht sitzen können. Sie legen Ihre Handflächen auf Brusthöhe in der Luft zusammen und reiben dann beide Handflächen aneinander hoch und runter. Eine Weile versuchen Sie, ganz aufmerksam für die linke Hand zu sein: wie ihre Handfläche gerieben wird und sich die Hand zugleich nach oben und unten bewegt. Dann wechseln Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit über zur rechten Hand, wieder die Wahrnehmung der Handfläche und der Bewegung. Lassen Sie währenddessen Ihren Atem weiter fließen. Nach einer Weile lassen Sie die Bewegung Ihrer Hände kleiner werden und sie klingt mit aneinandergelegten Händen aus. Spüren Sie dabei, wie Sie jetzt Ihre Handflächen empfinden.

Wenn Sie jetzt noch weitermachen wollen, können Sie mit einer Handfläche  sehr langsam über den Handrücken der anderen Hand fahren und dann weiter in Zeitlupe den Arm hinauf bis zu Ihrer Schulter, über Ihren Nacken und die linke Seite Ihrer Brust. Nehmen Sie die Berührung Ihrer Handfläche auf der Haut wahr und bleiben Sie sensibel in der Wahrnehmung für Ihren Arm, wenn Ihre Hand weiter nach oben streicht. Lassen Sie Ihren Atem gleichzeitig in seinem Rhythmus fließen oder sich auch von selbst verändern. Wenn Ihre Hand sich zuletzt von Ihrer Brust löst, sitzen Sie einen Moment und versuchen, die Berührung von Handrücken, Arm, Schulter, Nacken und Brust nachzuempfinden. Dann können Sie das Gleiche auf der anderen Seite wiederholen.




Der Körper und die Sprache 2: Die Zähne zusammenbeißen und durch…

… so heißt die Redewendung. Tatsächlich knirschen nicht wenige Menschen nachts mit den Zähnen, ohne es selber zu  merken. Vielleicht geschieht dies, während im Unterbewußtsein Tageserlebnisse verarbeitet werden. Untersuchungen zeigen, dass es unter anderem einen Zusammenhang zwischen Zähneknirschen und nicht ausgedrücktem Ärger gibt (Cathomen-Rötheli 1979, Heiberg 1980, Lamprecht et al.1986; s. Uexküll, 6.Aufl. 2008). Es ist also wünschenswert, wenn an passender Stelle "die Zähne gezeigt" werden. Mit dem Zähneknirschen einhergehend gibt es oft eine Anspannung und manchmal auch Schmerz in den Kiefergelenken. Hierfür ist folgende Entspannungsübung hilfreich:

Sie legen ihre Hände leicht um die beiden Unterkiefer, so dass die Fingerspitzen von Mittel- und Ringfinger die Ohrläppchen berühren. Dabei lassen Sie die Unterkiefer ein wenig heruntersacken, so dass sich der Mund leicht öffnet. Sie streichen weich mit den Fingerspitzen beider Hände über die Unterkiefer herunter bis zum Kinn. Spüren Sie selbst, ob Sie währenddessen irgendwo mit den Fingern sanften Druck geben möchten. Sie wiederholen dies ein, zweimal. Wenn sie dabei anfangen, zu gähnen, umso besser. Dann bleibt der Mund leicht geöffnet und Ihre Zunge legt sich hinter oder an Ihre unteren Vorderzähne. Versuchen Sie dabei, Ihre Zunge loszulassen. Wem es Spass macht, kann die Zunge auch weit aus dem Mund fallenlassen. Anschließend können Sie wieder Ihre Unterkiefer streichen, wie oben beschrieben.




HeilWeise

"HeilWeise" heißt ein mir wertvolles kleines Buch von Susun S. Weed, das schon über 10 Jahre alt ist. Das Vorwort schrieb Luisa Francia. Susun Weed behandelt in diesem Buch den Ansatz der "klassischen" naturwissenschaftlichen Medizin, aber auch den der naturkundlichen. Während die eine den Körper getrennt von Seele und Geist wie ein StückTechnik ansieht, ist bei der anderen oft der Unterton dabei: "Du hast etwas falsch gemacht!" Susun Weed schreibt über die Haltung des Vertrauens in den eigenen Körper. Ihm zuhören. Krankheit als Eröffnung neuer Wege, die sich noch nicht gezeigt haben. Mir hat diese Sicht schon manchmal sehr geholfen, auch wenn man es mit nichts übertreiben muß. Das Buch ist antiquarisch im Internet zu finden.

 




Körperliche Erkrankungen und die Psyche

Neueste Forschungsergebnisse zeigen immer besser, wie eng Körper und Psyche bei Erkrankung und Gesundung zusammengehören. Auf einer Fortbildungsveranstaltung der Bayrischen Psychotherapeutenkammer am 6.März 2010 wurde dies für Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Asthma und Neurodermitis sowie für chronische Schmerzkrankheiten deutlich belegt. Oft lassen sich Ursache und Wirkung körperlicher und psychischer Beschwerden nicht auseinanderhalten. Entsprechend muss die Therapie gestaltet werden.




Video zur Atemtherapie in der Apotheken Umschau

In einem Video der Apotheken Umschau werden Wege aus Stress und Burn-out mithilfe der Atemtherapie beschrieben. Es wird auch dargestellt, wie eine Atembehandlung aussehen kann. Das ganz individuelle Eingehen auf die Patienten sei ein Merkmal der Atemtherapie.
Neuere Studien würden ihre Wirksamkeit belegen. Hilfreich sei Atemtherapie auch bei Ängsten und Depressionen, chronischen Schmerzen und Herzerkrankungen.                      




Wintertag